Skip to content

Anerkannte Anwendungsgebiete

Low-Carb

Übergewicht & Adipositas

Hier muss noch ein Text her

Diabetes Typ 2

Hier muss noch ein Text her

Ketogene Ernährung

Pharmakoresistente Epilepsien

Zwischen 20 – 30 % der Patienten mit Epilepsie sprechen nicht auf eine medikamentöse Therapie an[1]. Die Arbeitsgemeinschaft für prächirurgische Epilepsiediagnostik und operative Epilepsietherapie definiert Epilepsien als therapieresistent, wenn mindestens zwei Antikonvulsiva in Mono- und Kombinationstherapie keine Anfallsfreiheit bringen, oder zu nicht tolerierbaren Nebenwirkungen führen[2].

Die Wirksamkeit der ketogenen Diät bei Epilepsie ist gut belegt. Im Durchschnitt kann bei 60% der Patienten die Anfallshäufigkeit um über 50% gesenkt werden, und bei 23% der Patienten sogar um 90%. Eine kleine Patientengruppe, etwa 9%, erreicht sogar Anfallsfreiheit. Bisher gibt es keinen Parameter, um den therapeutischen Effekt der KD bei einzelnen Patienten im Voraus vorherzusagt[3].  Die Effektivität der KD ist unabhängig vom Alter. Da allerdings mit zunehmenden Alter meist ein Rückgang der Compliance zu bemerken ist, sollte so früh wie möglich, am besten noch im Kleinkindalter mit der KD begonnen werden.

Es konnte gezeigt werden, dass die KD bei allen Anfallsformen wirksam ist, das Ausmaß der Wirksamkeit unterscheidet sich jedoch je nach Form der Epilepsie.

Glucosetransporter (GLUT-1)-Defizit-Syndrom

Das GLUT1-Defizit-Sydrom ist eine sehr seltene Erbkrankheit, die erst 1991 durch den Neurologen Darryl C. De Vivo erstmalig beschrieben wurde. Der GLUT1-Defekt wird autosomal dominant vererbt, das bedeutet, es reicht aus, wenn ein Elternteil Träger der Mutation ist. GLUT1 ist ein wichtiger Transporter für Glucose in der Zellmembran. Die Symptome der Krankheit zeigen sich meist bereits beim Neugeborenen oder im Kleinkindalter. Durch den Mangel an GLUT1-Transporter in den Gefäßen der Blut-Hirn-Schranke kann nicht ausreichend Glucose in das Gehirn gelangen. Die betroffenen Kinder entwickeln oft eine Mikrozephalie, körperliche und geistige Behinderungen, Störungen der Bewegungskoordination und andere neurologische Störungen.

Ebenfalls typisch für die Krankheit sind, bereits in den ersten Monaten einsetzende Krampfanfälle, die in der Regel pharmakoresistent sind. Das GLUT1-Defizit-Syndrom ist nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich durch eine ketogene Ernährung sehr gut kontrollieren und lindern [4]. Ketonkörper können unabhängig von GLUT1-Transportern die Blut-Hirn-Schranke passieren und bilden so eine alternative Energiequelle für das Gehirn[5].

Pyruvatdehydrogenase-Mangel

Die Pyruvatdehydrogenase ist ein Schlüsselenzym im Kohlenhydratstoffwechsel und ist dafür notwendig um Pyruvat zu Acetyl-Co und Co2 abzubauen. Der Pyruvatdehydrogenase-Mangel kann unterschiedlich ausgeprägt sein, je nachdem welches Enzym im Pyruvatdehydrogenase-Komplex betroffen ist. Die Symptome dieser seltenen, angeborenen Stoffwechselerkrankung sind relativ breit. Sie reichen von schwerer Laktatazidose bis hin zu milder Laktatazidämie und Bewegungsstörungen bei körperlicher Belastung.

Die ketogene Diät stellt eine gute therapeutische Möglichkeit für die Betroffenen dar. Einerseits reduziert sie die Abhängigkeit von Kohlenhydraten und umgeht den Enzymdefekt. Auf der anderen Seite können die Ketonkörper als alternative Energiequelle herangezogen werden. Die ketogene Diät stellt eine sichere und effektive Therapie bei Pyruvatdehydrogenase-Mangel dar[6]. Je früher im Leben die KD eingeführt wurde und je strikter die sie durchgeführt wurde um so größer waren die positiven Effekte für die betroffenen Kinder[7].

Komplex I-Defekt der Atmungskette

Der Komplex I-Defekt gehört zu den häufigsten Atmungskettendefekten. Die Folgen dieser Erkrankung sind vor allem Störungen des zellulären Energiestoffwechsels, da es zu einem ATP-Mangel kommt. Die Symptome dieser Erkrankung sind vielfältig. Es finden sich langsam verlaufende Formen mit neurodegenerativen Folgen und können sich zum Beispiel als das Leigh-Syndrom manifestieren, oder in besonders schweren Fällen, entstehet gleich nach der Geburt eine, oft tödlich verlaufende, Laktat-Azidose[8]. Schon in den ersten Lebensjahren leiden die betroffenen Kinder oft an epileptischen Anfällen, Muskelschwäche und Muskellähmungen, Schluckbeschwerden, Atemstörungen und Entwicklungsverzögerungen.

Die ketogene Diät wird als Therapie bei Störungen des Komplex I der Atmungskette empfohlen. Dies findet sich in den „Leitlinien zur erblichen Laktatazidose der Leitlinien Kinderheilkunde und Jugendmedizin“ und in den „Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Stoffwechselstörungen“[9] [10]. Die Abbauprodukte der Ketolyse und des Fettsäureabbaus können Komplex I und II der Atmungskette umgehen. Die Erfahrungen stützen sich jedoch bisher auf Einzelfälle.

Andere Indikationen

Zunehmend erfolgreich eingesetzt:

  • West Syndrom (Kang et al., 2011; Hong et al., 2010)[11] [12]
  • Dravet Syndrom (Veggiotti et al., 2011; Dressler et al., 2010)[13] [14]
  • Doose Syndrom (Nabbout et al., 2010)[15]
  • FIRES (Febrile infection-related epilepsy syndrome) (Levy et al., 2012)[16]
  • Fokale pharmakoresistente Epilepsie zur Überbrückung vor Epilepsiechirurgie (Finsterer, 2010; Kang et al., 2007)[17] [18]

Einzelberichte bei nicht etablierten Indikationen:

  • Isolierte metabolische Erkrankungen wie Glykogenose Typ III,V oder SSADH-Defekt (Nylen et al., 2008; Valayannopoulos et al., 2011; Mayorandan et al., 2014)[19] [20] [21]
  • Anfallskontrolle bei epilepsieassoziierten metabolischen Erkrankungen (Cusmai et al., 2012)[22]
  • Autismus und bipolare Störungen (Herbert and Buckley, 2013; Phelps et al., 2012)[23] [24]
  • Rett Syndrom (Liebhaber et al., 2003) [25]
  • Landau-Kleffner Syndrom (Stafstrom and Rho, 2012)[26]
  • Phosphofruktokinase-Mangel mit Arthrogrypose (Swoboda et al., 1997)[27]
  • Ketogene Diät bei Erwachsenen mit Epilepsie (Kossoff et al., 2008)[28]

Auflistung aus: AWMF – Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie. „Ketogene Diäten”. S1-Leitlinie 022/021: Ketogene Diäten. (2014).

Quellen

[1]Siemes, H.Bourgeois, BFD. (2001) Anfälle und Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New york

[2] Kwan, Patrick, et al. “Definition of drug resistant epilepsy: consensus proposal by the ad hoc Task Force of the ILAE Commission on Therapeutic Strategies.” Epilepsia 51.6 (2010): 1069-1077.

[3] Rubenstein JE, Kossoff EH, Pyzik et al: Experience in the use of the ketogenic diet as early therapy. J Child Neurol 2005 (20): 31-34

[4] Klepper, Jörg, et al. “Effects of the ketogenic diet in the glucose transporter 1 deficiency syndrome.” Prostaglandins, leukotrienes and essential fatty acids 70.3 (2004): 321-327.

[5] Wang, Dong, et al. “Glut‐1 deficiency syndrome: Clinical, genetic, and therapeutic aspects.” Annals of neurology 57.1 (2005): 111-118.

[6] Sofou, Kalliopi, et al. “Ketogenic diet in pyruvate dehydrogenase complex deficiency: short-and long-term outcomes.” Journal of inherited metabolic disease 40.2 (2017): 237-245.

[7] Wexler, I. D., et al. “Outcome of pyruvate dehydrogenase deficiency treated with ketogenic diets Studies in patients with identical mutations.” Neurology 49.6 (1997): 1655-1661.

[8] Kirby, DM1, et al. “Respiratory chain complex I deficiency An underdiagnosed energy generation disorder.” Neurology 52.6 (1999): 1255-1255.

[9] AWMF – Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie. „Ketogene Diäten”. S1-Leitlinie 022/021: Ketogene Diäten. (2014). https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/022-021l_S1_Ketogene_Di%C3%A4ten_2014-04.pdf (Abgerufen: 02.07. 2018)

[10] Sperl, W, et al. Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Stoffwechselstörungen. Update 2009 http://www.mito-center.org/mito-center.org/fileadmin/user_upload/LLUpdateAWMF2009Final.pdf (Abgerufen: 02.07. 2018)

[11] Hong, A. M., Turner, Z., Hamdy, R. F., Kossoff, E. H., 2010. Infantile spasms treated with the ketogenic diet: prospective single-center experience in 104 consecutive infants. Epilepsia 51 (8), 1403-7.

[12] Kang, H. C., Lee, Y. J., Lee, J. S., Lee, E. J., Eom, S., You, S. J., Kim, H. D., 2011. Comparison of short- versus long-term ketogenic diet for intractable infantile spasms. Epilepsia 52 (4), 781-787.

[13] Veggiotti, P., Burlina, A., Coppola, G., Cusmai, R., De Giorgis, V., Guerrini, R., Tagliabue, A., Dalla Bernardina, B., 2011. The ketogenic diet for Dravet syndrome and other epileptic encephalopathies: an Italian consensus. Epilepsia 52 Suppl 2, 83-9.

[14] Dressler, A., Stocklin, B., Reithofer, E., Benninger, F., Freilinger, M., Hauser, E., Reiter-Fink, E., Seidl, R., Trimmel-Schwahofer, P., Feucht, M., 2010. Long-term outcome and tolerability of the ketogenic diet in drug-resistant childhood epilepsy–the Austrian experience. Seizure 19 (7), 404-8.

[15] Nabbout, R., Mazzuca, M., Hubert, P., Peudennier, S., Allaire, C., Flurin, V., Aberastury, M., Silva, W., Dulac, O., 2010. Efficacy of ketogenic diet in severe refractory status epilepticus initiating fever induced refractory epileptic encephalopathy in school age children (FIRES). Epilepsia 51 (10), 2033-7.

[16] Levy, R. G., Cooper, P. N., Giri, P., 2012. Ketogenic diet and other dietary treatments for epilepsy. Cochrane Database Syst Rev 3, CD001903.

[17] Finsterer, J., 2010. Treatment of mitochondrial disorders. Eur J Paediatr Neurol 14 (1), 29-44

[18] Kang, H. C., Lee, Y. M., Kim, H. D., Lee, J. S., Slama, A., 2007. Safe and effective use of the ketogenic diet in children with epilepsy and mitochondrial respiratory chain complex defects. Epilepsia 48 (1), 82-8.

[19] Nylen K, Velazquez JL, Likhodii SS et al (2008) A ketogenic diet rescues the murine succinic semialdehyde dehydrogenase deficient phenotype. Exp Neurol 210:449–457

[20] Valayannopoulos V, Bajolle F, Arnoux JB et al (2011) Successful treatment of severe cardiomyopathy in glycogen storage disease type III With D, L-3-hydroxybutyrate, ketogenic and high-protein diet. Pediatr Res 70:638–641

[21] Mayorandan, Sebene, et al. “Glycogen storage disease type III: modified Atkins diet improves myopathy.” Orphanet journal of rare diseases 9.1 (2014): 196.

[22] Cusmai R, Martinelli D, Moavero R et al (2012) Ketogenic diet in early myoclonic encephalopathy due to non ketotic hyperglycinemia. Eur J Paediatr Neurol 16:509–513

[23] Herbert, M. R., Buckley, J. A., 2013. Autism and dietary therapy: case report and review of

the literature. J Child Neurol 28 (8), 975-82.

[24] Phelps, J. R., Siemers, S. V., El-Mallakh, R. S., 2012. The ketogenic diet for type II bipolar disorder. Neurocase.

[25] Liebhaber, G. M., Riemann, E., Baumeister, F. A., 2003. Ketogenic diet in Rett syndrome. J Child Neurol 18 (1), 74-5.

[26] Stafstrom, C. E., Rho, J. M., 2012. The ketogenic diet as a treatment paradigm for diverse neurological disorders. Front Pharmacol 3, 59.

[27] Swoboda, K. J., Specht, L., Jones, H. R., Shapiro, F., DiMauro, S., Korson, M., 1997.Infantile phosphofructokinase deficiency with arthrogryposis: clinical benefit of a

ketogenic diet. J Pediatr 131 (6), 932-4.

[28] Kossoff, E. H., Rowley, H., Sinha, S. R., Vining, E. P., 2008. A prospective study of the modified Atkins diet for intractable epilepsy in adults. Epilepsia 49 (2), 316-9